Jubiläumsball

Rund 400 Mitglieder, Freunde und Förderer waren dem Ruf vom RRC-Vorsitzenden Lingolf von Lingelsheim zum Festakt in die 12.000 Einwohner-Inselstadt gefolgt. 1953 gründete der bis heute unvergessene Rudertrainer Karl Adam den berühmten Ausnahmeverein zwangsweise, weil sein erfolgreicher Skiffier-Schützling Claus von Fersen als Mitglied der Schülerruderriege der Lauenburgischen Gelehrtenschule ohne Vereinszugehörigkeit nicht auf den nationalen Regatten starten durfte. Also musste ein Ruderverein in Ratzeburg her und es entstand in der provinziellen Kleinstadt im Lauenburgischen der RRC, der bis heute die meisten Olympischen Medaillen aller Sportvereine nach Schleswig-Holstein geholt hat und bis dato das Zugpferd und stolzes Aushängeschild des Landesverbandes darstellt. Die Erfolgsstruktur ist klar erkennbar und der lange Weg scheint noch kein Ende zu nehmen. Aus der kleinen Schülerruderriege entstand der Club, aus ihm unter Adams Mitwirken die Ruderakademie und seit knapp einem Jahr steht mit dem Ruderinternat am Ratzeburger See der jüngste Spross des erfolgreichen Rudersports am offenen Ende der Kausalkette.
Der ebenso renommierte wie philosophische Festredner Prof. Dr. Hans Lenk, der bereits zum 25. Vereinsjubiläum alte Erinnerungen und Gedanken so treffend zusammenfasste und auffrischte, führte das Auditorium noch einmal zurück in alte Zeiten und erläuterte das Erfolgsmodell Rudern unter Karl Adam, der den Weltsport von Ratzeburg aus revolutioniert hatte. Dieser Sprung begründete sich u.a. darin, dass der Tüftler Adam sich nicht an bestehende und festgefahrene Traditionen hielt, neugierig andere Wege ausprobierte und den mündigen Athleten zu seinem eigenen Erfolg förderte. Die Früchte dieser fortschrittlichen Geisteshaltung, nämlich 29 Weltmeister und Olympiasieger waren persönlich in die Kastanienallee gekommen, um beim vormittäglichem Empfang und beim abendlichen Großen Festball im SWR erneut in Nostalgie zu schwelgen und in Gedanken die rudersportlichen Wurzeln Revue passieren zu lassen. Unterstützt wurden diese Bilder durch eine von RRC-Vorstandsmitglied Heinz Jakubzig hervorragend moderierte Modenschau alter und neuer Erfolgstrikots mit dem Bundesadler, aus allen Jahrzehnten seit dem 20.März 1953, präsentiert von den aktuellen Weltmeistern und Olympiasiegern der Neuzeit Meike Evers, Marco Geisler, Marita Scholz, Jörg Lehnigk und Kai von Warburg. Neben zahlreichen Grußworten u.a von Ministerpräsidentin Heide Simonis und hochrangigen DRV-Vertretern sowie Medienvertretern, stellte auch der NDR in einem kurzen Film alte Ruderstars wie Dr.Walter Schröder heraus und mit den „Youngsters“ gegenüber, wie Claus von Fersen und Meike Evers im Generationen-Dialog.
Die alte Frage, wo denn Ratzeburg läge und deren automatisierte Rudererantwort: Meistens zwei Längen vor dem Gegner, lässt sich heute natürlich nicht zwingend eins zu eins umsetzen, aber es bleibt dem Verein, seinem engagierten Vorsitzenden Lingolf von Lingelsheim und allen seinen treuen Weggefährten und Mitgliedern weiterhin zu wünschen, dass sich das Großboot RRC weiterhin im homogen rhythmischen Ruderschlag in die Zukunft manövriert, die Serie der internationalen Erfolge nicht abreißen möge und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel das gemeinsame Vorziehen der Mannschaft in Richtung immer neuer Ziele ermöglicht. Auf dass der alte wie neue RRC-Schlachtruf „Allah zerhack ihn, Mohammed begrab ihn“ noch weitere 50 Jahre auf den Regattaplätzen dieser Welt erschallt, egal ob bei Sieg oder Niederlage.

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