UP 2- Der Deutsche Ruderverband hängt sich rein

Dass deutsche Spitzenruderer für ihren traditionsreichen, aber dennoch zumeist wenig materiellen, sondern eher ideellen Sport viele Stunden pro Tag für das harte Training opfern und dafür auch eine adäquate Unterstützung vom Deutschen Ruderverband (DRV) bekommen, ist ja bekannt. Wenn aber nach vielen Jahren des zehrenden Trainings und der vielen schönen Siege und Erfolge einmal Schluss ist mit dem Leistungssport, sahen sich auch Funktionäre und Athleten oft nicht mehr wieder. Und genau da beschreitet der DRV jetzt neue Wege mit seinem jüngsten Projekt „UP 2“, das Athleten den Einstieg in die Berufswelt erleichtern soll. Denn Weltmeister werden, nebenher die Schule und eine Ausbildung meistern ist für die jungen Leute nicht immer einfach.
Anlässlich des Vorbereitungstrainingslagers der U23-Nationalcrew in der Ratzeburger Ruderakademie vor den Weltmeisterschaften der 19-22 jährigen Ruderer in Belgrad, will der Verband die strikten Grenzen von Leistungssport und Beruf, was im Rudern in den allermeisten Fällen nicht das gleiche ist, etwas lockern. Einer der erfolgreichsten Sportverbände Deutschlands möchte seinen Athleten mit Hilfe der Sponsoren Ideen, Strukturen und Konzepte für die Zukunft anbieten, damit nach der sportlichen Karriere nicht die große Unsicherheit kommt, sondern eine gerüstete und leistungsbereite Persönlichkeit in das Haifischbecken aus Ausbildung, Universität und Beruf springen kann. Das komplette Nationalteam samt den verantwortlichen Bundestrainern Thomas Affeldt, Hans-Peter Schmidt und Richard Wecke durfte schon einmal gespannt an einem ersten Workshop der Personalmarketing-Leiter Gerd Galonska (ThyssenKrupp AG) und Kristina Sender (Deutsche Telekom AG) teilnehmen, die mit den jungen Hochleistungssportlern erste Bewerbungsstrategien und allgemeine Ideen für den Berufseinstieg aufzeigten und erörterten. Auch Laufbahnberaterin Anja Brauckmann vom Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein möchte bei „UP 2“ mitwirken und gemeinsam mit den Athleten Strategien und Perspektiven für eine duale, parallele Weiterentwicklung kreieren. „In Hamburg plane ich bereits mit meinen Athleten und deren Unternehmen die Wettkampfsaison und kann auch schon mal Sonderurlaub für Trainingslager und Wettkämpfe in den Personalabteilungen nach Absprache erwirken. Viele Firmen sind unheimlich kooperativ, wenn es um den Leistungssport geht, da sie ja oft auch von der Leistungsbereitschaft der Ausnahmesportler in ihrem Konzern profitieren. Und Ruderer sind nun einmal überdurchschnittlich leistungsbereit und belastbar“, erzählt Anja Brauckmann, die nebenher auch seit vier Jahren Deutschlands Studentenrudern als Disziplinchefin koordiniert. „Ich bin von der Idee „UP 2“ schon sehr angetan und habe auch bereits erste richtig gute Eindrücke für meine Zukunft gesammelt“, erzählt der 22jährige Ratzeburger Nils Budde, der zur Zeit noch in der Sportförderkompanie Rudern stationiert ist und mit seinem Partner Alexander Bernhardt im Leichtgewichtszweier auf dem Nations-Cup die bundesdeutschen Farben vertreten wird. Dieses Format ist mit Sicherheit noch nicht die sichere Brücke, die einen mit Samthandschuhen vom Boot in einen gut bezahlten Posten bringt, aber ein erster Brückenschlag, ein erster Kontakt und Anhaltspunkt, der ja oftmals der schwierigste und wichtigste ist. So nimmt vielleicht auch der Traum der Ratzeburger Trainer-Legende Karl Adam Gestalt an, der den Sport schon immer als Persönlichkeitsbildung und ganzheitliche Entwicklung mitsamt dem sozialen Umfeld und seine Strukturen sehen wollte. Nicht immer nur streng abgeschottete Phasen der Schule, des Sports, Beruf und Familie sondern ein harmonischer Einklang aller dieser Elemente. Nach dem bereits erfolgreich funktionierenden Ruderinternat in der Ruderakademie Ratzeburg festigt der Rudersport mit „UP 2“ mit einer weiteren Struktur seine Nachwuchsförderung. Weitere Informationen auch auf der DRV-Homepage unter www.rudern.de

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