36. Langstreckenregatta in Leipzig Burghausen

Großes Aufgebot der deutschen Ruderelite am Elster-Saale-Kanal in Leipzig. Die Olympiafahrkarten sind noch nicht vergeben und die verantwortlichen Bundestrainer wollten sich einen ersten Eindruck vom Fitness-Zustand der Kaderathleten und ambitionierten Skuller und Riemer für Athen machen. Über 6000 Meter, sprich der dreifachen normalen Regattadistanz, wurden an die 300 Boote an den Start bei Dölzig geladen und fortan konnten Zuschauer wie Fachpublikum bei für Leipzig um diese Jahreszeit überraschend guten Ruderbedingungen auch einige Ratzeburger Ruderer auf der Langdistanz beobachten.
Nachdem Weltmeister Marco Geisler und diese Leistungsüberprüfung bereits im Trainingslager in Sabaudia/Italien abgeliefert hatte, brauchte die RRC-Medaillenhoffnung in der sächsischen Metropole nicht mehr an den Start. Aber der „Club“ von der Kastanienallee hat ja noch mehrere heiße Eisen im olympischen Feuer. Im Frauenskiff stellten sich Ex-Weltmeisterin Marita Scholz und die amtierende Olympiasiegerin im Vierer, Meike Evers. Die beiden Ratzeburger Erfolgsruderinnen, die in der Ruderakademie unter dem erfahrenen Coach Hans-Peter Schmidt trainieren, waren sich dann in der Leistung auch recht ähnlich, kamen sie doch direkt hintereinander auf den Plätzen acht und neun über die rettenden Ziellinie in Leipzig-Burghausen. Dass Meike Evers dabei ca. 15 Sekunden hinter Marita Scholz blieb ist nicht so beunruhigend wie der Abstand von einer Minute zur Siegerin Kathrin Rutschow-Stomporowski, die seit Jahren die Messlatte im Rennskiff der DRV-Damen vorgibt. Aber die Langstrecke hat ja oftmals ihre eigenen Gesetze und wie viel diese Kleinbootleistung wirklich wert und repräsentativ ist, wird man wohl erst in drei Wochen beim 2000-Meter-Frühtest auf der Regattabahn in Köln-Fühlingen beurteilen können. Denn dann müssen alle direkt im Albano-Bojen-System gegeneinander antreten und nicht einzeln, im Minutenabstand wie in Leipzig, gegen die Zeit und die Schmerzen kämpfen.
Alleine mit sich gegen Witterung und die gnadenlose Stopuhr braucht man schon eine gehörige Portion Motivation. Gut, dass die beiden RRC-Trainer Mark Amort und Harald Schröder mit dabei waren und ihre aktiven Ruderer vom Fahrrad aus am Seitenufer lautstark unterstützt haben. Dies bekam auch Leichtgewicht Nils Budde sehr gut zu spüren. Von 54 Startern im Leichtgewichtseiner belegte der Domstädter einen starken zweiten Platz in 22:18min. Er hatte allerdings auch den in der Ratzeburger Ruderszene bekannten „Harald-Schröder-Faktor“. Wer den Trainer Schröder auf dem Rad neben sich hat, der schon Kai von Warburg 1991 zum Weltmeister-Titel gebracht hatte, der wird bei jedem Ansatz von Schwäche so derartig zur Konzentration vom Ufer aus gebrüllt, dass er schlagartig ein bisschen zulegt und trotz der hohen Laktatkonzentration in Beinen und Armen und der brennenden Lunge wieder hellwach ist. Der freundliche Familienvater von der Bäk ist als Motivationstrainer seit über einem Jahrzehnt absolut führend in seinem Fach und kann bei seinen Athleten Leistungen abrufen, von denen sie manchmal nicht dachten, dass sie möglich sind.
Olympiahoffnung Jörg Lehnigk hatte indes noch einige Anlaufschwierigkeiten mit seinem Leichtgewichtsvierer aus Hamburg. Über den Winter hatte der Ratzeburger vom Skullen zum Riemenrudern gewechselt, um sich einen Rollsitz im Hamburger Boot für Athen zu sichern. Doch das völlig neu zusammengebaute Quartett hatte große Schwierigkeiten mit den etablierten Booten mitzuhalten und wird sich bis zum Frühtest noch ein paar Gedanken in punkto Besetzung machen oder eine Leistungsexplosion hervorrufen lassen müssen. Denn Platz vier wird Bundestrainer Grahn, der auch den Deutschlandachter betreut, wohl nicht überzeugen. Aber, noch ist für keinen Olympiabewerber etwas verloren, denn die Langstrecke ist nur ein erster Leistungsindikator und hat ja bekanntermaßen ihre eigenen Gesetze.

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