Deutsches Meisterschaftsrudern 2004 Berlin-Grünau

Fette Beute für die schlagkräftige Ruder-Armada des Ratzeburger Ruderclubs bei den nationalen Titelkämpfen auf der Berliner Regattabahn in Grünau. Sieben Meisterschaftsmedaillen von vier verschiedenen Ratzeburgerinnen und Ratzeburgern war die Sensationsbilanz für die Leistungssportabteilung vom Küchensee. Die WM-Teilnehmer Nils Budde und Jörg Lehnigk, sowie die Olympionikin Meike Evers sicherten sich dann die Goldmedaille in ihren spezifischen Bootsklassen und dem mittlerweile erfolgsverwöhnten RRC die Gewissheit auch in dieser Wettkampfsaison wieder einmal einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands zu sein.

Den Reigen eröffnete der 24jährige Student Jörg Lehnigk im Leichtgewichts-Zweier. Mit einem maximalen Durchschnittsgewicht von 70kg trieb er als Bugmann zusammen mit seinem Hamburger Taktgeber Joachim Drews seinen gelben Rennzweier nach den Siegen von Duisburg, Ratzeburg und dem tollen Resultat vom Worldcup Luzern nun auch bei der DM zum Sieg. Gemeinsam mit seinen Gegnern aus dem Zweierrennen folgte schließlich noch eine Bronzeplatzierung im Rennen der Leichtgewichtsachter.

Ebenso bei den Leichtgewichten überzeugte Skuller Nils Budde in zwei verschiedenen Bootsklassen. Der DRV-Vierer mit Nils Budde im Bug versuchte sich zunächst in der offenen Gewichtsklasse und präsentierte sich in einer bombigen Verfassung. Trotz des heftigen Gegenwindes, der für Leichtgewichte mangels Masse immer ein wenig schwieriger zu rudern ist, platzierte sich das Quartett hinter der U23-Nationalmannschaft von Bundestrainer Richard Wecke aus der Ruderakademie Ratzeburg auf einem tollen zweiten Rang. In Buddes eigentlichem Rennen, dem „leichten“ Vierer, hatten es die vier Jungs vom Mainzer Trainer Maxrath schließlich nach dem heftigen und kraftzehrenden Gegenwindrennen nur eine Stunde zuvor, dann etwas schwerer als erwartet. Zur Streckenhälfte bei 1000 Metern führte die noch frische B-Mannschaft, doch die Routiniers nutzten diese Gelegenheit sich als Jäger wieder an das enteilte Boot heranzukämpfen. Am Ende fing der Budde-Vierer die Youngsters dann doch noch ab und ruderte erwartungsgemäß zum Deutschen Meistertitel.

Einen Doppelschlag führte Kriminalkommissarin Meike Evers auf den Berliner Gewässern aus. Die 27jährige Olympiasiegerin von Sydney schaffte in der Saison 2004 ein Bilderbuch-Comeback par excellance. Nach dreijähriger Abstinenz vom Wettkampfsport zugunsten ihrer Ausbildung, ruderte sich die norddeutsche Ausnahmeathletin nicht nur wieder in den Nationalkader, sondern dominierte auch alle Bootsklassen in denen sie in der Bundeshauptstadt am Start war. Zunächst den Doppelzweier mit ihrer Potsdamer Schlagfrau Kathrin Boron, der erfolgreichsten Ruderin der Welt. Nach dem überragenden Erfolg triumphierte Evers auch noch das Skull-Großboot, den Doppelvierer, nach Belieben vor kaderinternen Konkurrenz und dem talentierten Nachwuchsbereich. Damit hat die erfolgreichste RRC-Ruderin aller Zeiten alle Optionen offen für die olympischen Spiele in Athen: „Ich bin mit dem Rennausgang hier in Berlin sehr zufrieden. Wir haben während des Rennens eine Messbootanalyse unserer Schlagstruktur vornehmen lassen und bekommen die Ergebnisse in den nächsten Tagen. Dann wird die Potsdamer Bundestrainerin Jutta Lau wohl bald die endgültige Bootsbesetzung für die olympischen Spiele auf der Regattastrecke Schinias bekannt geben. Jetzt geht es für uns erst einmal zur Olympiaeinkleidung nach Frankfurt und danach direkt ins Höhentrainingslager in die Nähe von St.Moritz“, gibt sich Meike Evers äußerst optimistisch und hat auch allen Grund dazu. Ihre Trainingspartnerin aus Ratzeburg, Marita Scholz, sicherte sich und ihren Fans im Ruderclub im gleichen Vierer-Rennen eine sehr gute Silbermedaille hinter dem Evers-Vierer und hat ihre Chancen auf einen Olympiastart weiterhin gewahrt. Die Bronze-Gewinnerin der Weltmeisterschaften in Mailand 2003 hat zwar die Position bei Jutta Lau als Ersatzfrau verpasst, ist jedoch bei der anderen Fakultät, den Riemen-Frauen, eine starke Ergänzungsruderin auf Backbord geworden. Damit ist die 27jährige Gartenbau-Ingenieurin vom RRC eine von fünf Ersatz-Leuten der gesamten deutschen DRV-Mannschaft in Athen und kann unter Umständen durch hervorragende Leistungstests und Messbootkurven ja vielleicht noch einen Rollsitz im Weltmeister-Achter der Damen erhaschen. „Ich bin unheimlich glücklich, dass die gute Zusammenarbeit mit unserem Heimtrainer Hans-Peter Schmidt Meike und mich auf den Olympiazug gebracht hat und ich werde weiterhin mein Bestes geben um den Verband würdig zu vertreten, egal in welcher Bootsklasse oder ob als Ersatz“, verrät Dipl.-Ing. Marit Scholz nach den Deutschen Meisterschaften im Gespräch mit den LN. Doch bevor die Olympia-Maschinerie so richtig anrollt, kommen zunächst die nichtolympischen Bootsklassen bei der Weltmeisterschaft Ende Juli im spanischen Banyoles an die Reihe. Dann gilt es für alle Ruderfans des RRC und seiner Recken die Daumen für Nils Budde und Jörg Lehnigk im leichten Zweier und Vierer kräftigst zu drücken.

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