Worldcup-Finale auf dem Luzerner Rotsee 2004

Die erfahrene Ratzeburger Ruder-Equipe schlug sich sehr ordentlich beim letzten großen Test vor den nichtolympischen Weltmeisterschaften und Olympia auf dem Luzerner Rotsee. Auf der vielleicht schönsten Ruderstrecke der Welt, die in Insiderkreisen nur „Göttersee“ genannt wird, muss jeder Leistungsruderer wenigstens einmal in seiner Karriere gerudert sein, um die geheimnisvolle Legende vollends zu begreifen, die in der Schweiz Jahr für Jahr fortgeführt wird.
Gerade die Leichtgewichte Nils Budde und Jörg Lehnigk waren unter diesen extremen Wettkampfbedingungen auf dem Prüfstand. Denn es ging für beide Athleten um die Tickets zur Weltmeisterschaft in Banyoles Ende Juli. Insbesondere für den 24jährigen Riemenruderer Jörg Lehnigk ging es im Leichtgewichts-Zweier darum ,das schnellste Deutsche Boot im Finael sein. „Nach einem zweiten Platz im Vorlauf mussten wir über den Hoffnungslauf in das stärkere Halbfinale und konnten uns dort hauchdünn mit einer Zehntel Sekunde Vorsprung vor den Franzosen ins Finale retten. Nach so vielen Rennen am Limit waren wir dann kräftemäßig ausgebrannt und haben uns „über Kampf zum Spiel“ gegen die beiden anderen Deutschen Boote durchgesetzt“, kommentiert Sportstudent Lehnigk seine Sicht des Rennens vom Bugplatz hinter seinem Schlagmann Joachim Drews aus Hamburg. Am Ende reichte es dann nach 2000 langen Metern zu Platz drei hinter Italien und den starken Amerikanern. Nun kann das Duo nach den Siegen von Duisburg, Ratzeburg und dem guten Leistungsnachweis vom Rotsee relativ sicher mit der Nominierung rechnen, wobei die wenigen Sekunden Rückstand der anderen deutschen Boote noch Spielraum geben könnten, für personelle Entscheidungen. „ Erst einmal starten wir in einer guten Woche bei den Deutschen Meisterschaften und hoffen, dass bis dahin alle Formalitäten geklärt sind und wir in einen normalen Trainingszyklus zurückkehren können“ gibt sich Lehnigk nach dem Schweizer Wochenende optimistisch.
Einen starken zweiten Platz verbuchte indes Nils Budde im deutschen Leichtgewichtsdoppelvierer hinter Weltmeister Italien und vor den WM-Vierten Holland vom letzten Jahr. „Das war schon nicht schlecht, aber eigentlich wollten wir bei den Italienern mitgehen, haben sie jedoch im Mittelteil verloren. Wir haben aber noch gut vier Wochen Zeit bis Banyoles, werden bei den Deutschen Meisterschaften sowohl in der „leichten“, als auch in der „schweren“ bzw. Offenen Klasse an den Start gehen, bevor wir uns im Trainingslager mit unserem Coach Diethelm Maxrath in aller Ruhe auf unseren Saisonhöhepunkt, die WM, vorbereiten werden“, erzählt der zweite Ratzeburger WM-Starter Nils Budde nach dem Vierer-Rennen auf dem Rotsee.
Die bereits in den Doppelvierern der Bundestrainer gesetzten Olympioniken Marco Geisler und Meike Evers verpassten auf dem Rotsee den Sieg. Während Olympiasiegerin Evers in ihrem DRV-Damen-Doppelvierer den sehr guten zweiten Platz belegte, hatte Weltmeister Geisler Witterungspech. Nach einem gewohnt fulminanten Start rutschte seinem Schlagmann Robert Sens bei strömendem Regen die glitschig gewordenen Skullgriff aus der Hand und die Ruderblätter verdrehten sich im Wasser. Während ein Einerfahrer diesen sogenannten „Krebs“ auf Grund der niedrigeren Bootsgeschwindigkeit noch manchmal abfangen kann, muss ein Großboot wie ein Vierer oder Achter komplett abstoppen und dann das Boot wieder neu anschieben, während die Gegnerschaft schon einige Längen enteilt ist. Auf einer Dorfregatta können gute Mannschaften dann trotzdem noch gewinnen, aber bei einem Worldcup-Finale auf Weltniveau kann auch der amtierende Weltmeister gegen so einen Fauxpas nichts ausrichten. Dennoch bleicht die Hoffnung, dass wenn die Generalprobe missglückt, doch wenigstens die Premiere, sprich Olympia, glücken sollte. Kommt natürlich auch auf das Wetter an.

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