13. Angaria Klimmzug-Contest der Ruderer in Hannover

Es war wieder einmal eine gelungene Mischung zwischen Show, Hochleistungssport und angemessen wilder Aprés-Party in den Hallen der Rudergemeinschaft Angaria. 25 ausgewählte Athleten inklusive einer mutigen Frau hatten sich qualifiziert, um am härtesten Klimmzug-Wettbewerb der Welt teilzunehmen. Seit 1993 wird dieser aus einer Biertischidee entstandene Wettbewerb in der akademischen Rudergemeinschaft Angaria im Weddigenufer ausgetragen. Bei über 30 Grad Innentemperatur im großen Festsaal führte Moderator und Ex-U23-Weltmeister Markus Pütz die rund 400 neugierigen Zuschauer charmant und eloquent durch den Abend. Unter den wachsamen Augen der ebenso aparten wie fachkundigen Schiedsrichterinnen Christina Gerking ( WM-Siebte im Zweier ohne) und Daniela Gorr ( WM-Ruderin im deutschen Frauenachter) mussten die angetretenen Athleten technisch saubere Klimmzüge jeweils im zackigen Zehnerpack absolvieren. Wer keinen Zehner-Set mehr schaffte bekam vom strengen Referee-Duo kein grünes Licht und schied sofort aus. Zu mitreißender Bass-Musik von Arzt und DJ Steffan Jackobs fing der gut gefüllte Zuschauer-Saal schon frühzeitig an zu kochen und die adrenalingeschwängerte Luft animierte besonders die weiblichen Zuschauer zu lautstarken Jubelschreien. Denn es wurden nicht nur unterhaltsame Kostüme und Showeinlagen von den innovativen Athleten präsentiert. Ab der zehnten Runde, also nach 100 Klimmzügen, besteht in alter Ruderertradition zudem die Pflicht mit nacktem Oberkörper und in attraktiver Unterwäsche möglichst sexy die Ertüchtigung an der Eisenstange zu absolvieren. So sollen insbesondere die vorderreihigen Damen die Möglichkeit bekommen ihre Favoriten für die einzelnen sexistischen Männerwertungen zu wählen. Folglich präsentierten also alle 24 Männer plus Eva Lutz als einzige Frau, ihre eingeölten und goldbestäubten Astralkörper möglichst sexy und mussten ab der 15. Runde auch noch eine unangenehme und für Blutblasen sorgende Wiederholungserhöhung tolerieren. Und die hart trainierten eingeölten Six-Packs, knackigen Ruderer-Hintern und gestählten Oberkörper sollten ihre Wirkung beim Publikum weiß Gott nicht verfehlen. Von der 16. Runde an sollte schließlich mit jeder neuen Runde ein Klimmzug mehr absolviert werden, damit im Rahmen der steigenden Belastung immer mehr Athleten die Stange loslassen mussten. Im spannenden Finale einer starken Vierergruppe war der 25jährige Ex-Achter-Weltmeister und Mitorganisator Birger Schmidt als erster gezwungen nach 280 Klimmzügen aus dem Wettkampf auszusteigen. „Schade, dass es in diesem Jahr sportlich nicht für die Top 3 bei mir gereicht hat. Aber aus organisatorischer Sicht sind wir natürlich sehr zufrieden, dass sowohl Sportler, als auch Gäste mehr als glücklich waren und sich bereits nach dem Termin im nächsten Jahr erkundigt haben. Der ist nämlich für die Ewigkeit gemacht. Es ist immer der letzte Mittwoch im November. Die gute Stimmung im tollen Publikum entschädigt für den mühsamen Aufwand und motiviert uns jetzt schon für das den Contest 2006“ fasst Birger Schmidt den Contest allgemein zusammen. Mit reichlich lähmendem Laktat in den geschundenen Armen musste sich der 28jährige Hannoveraner Olympiaruderer Tobias Kühne (6.Platz Olympia 2004 in Athen) nach 323 Wiederholungen als nächster aus dem Contest verabschieden. Unter lautstarkem und ohrenbetäubendem Jubel der aufgeheizten und erregten Fans kam es zu einem spannenden Showdown nach vier Stunden Wettbewerb um den großen Siegerpokal. Im direkten Duell Mann-gegen-Mann zum gleichen Zeitpunkt an der gleichen Klimmzug-Stange sollten die verbleibenden Teilnehmer Andre Göbel (Sieger 2003) und Tobias Ahl noch einmal so viele Klimmzüge machen, wie sie konnten, wobei der Bessere am Ende den Sieg davontragen soll. Doch dieses austrainierte Duo wollte neue Contest-Geschichte schreiben und zog sich im Finale mit schmerzverzehrten Gesichtern jeweils exakt 17 mal mit dem Kinn über das am Ende dann doch unüberwindbare Eisen und lieferte damit das erste tote Ergebnis der Geschichte ab. Die Organisatoren verzichteten auf ein weiteres Stechen und erklärten beide Teilnehmer nach dieser tollen Leistung und jeweils 340 Klimmzügen zum verdienten Sieger 2005. Heimliche Siegerin in den Herzen besonders der weiblichen Fans war jedoch die 26jährige Angaria-Ruderin Eva Lutz. Die ehemalige Bronzemedaillen-Gewinnerin der Studentenweltmeisterschaften im Leichtgewichts-Einer hat seit zwei Jahren „umgesattelt“, arbeit seitdem zwar auch wieder im Sitzen, nur auf dem etwas bodenständigeren Rennrad. Und auch wenn die kleine Maschinenbau-Studentin mittlerweile im bekannten Team Nürnberger erfolgreich zu den schnellsten 10 Rennradfahrerinnen Deutschlands zählt, zeigte die angehende Ingenieurin dem Publikum, dass sie auch in den Armen noch einiges an Kraft besitzt. Vom ganzen brodelnden Saal von Runde zu Runde geschrieen kämpfte sich die zähe Eva Lutz in diesem männerlastigen Feld mit sensationellen 235 Klimmzügen auf Rang Neun und wurde dafür in einer Extra-Wertung zur „Mrs. Po“ gewählt. „Mein Schwerpunkt liegt natürlich weiterhin im Sattel meines Rennrades auf der Straße. Aber für den Contest trainiere ich als Ausgleich auch gerne noch einmal meine Arme. Letztendlich geht es bei dieser Veranstaltung nur um den Spaß, aber wenn Mann und auch Frau erst einmal im Wettkampf ist, will man doch so viele Gegner wie möglich hinter sich lassen. Und das ist mir in diesem Jahr auch ganz gut gelungen. Ich bin jedenfalls zufrieden und hoffe, dass der zu erwartende Muskelkater gemächlich mit mir umgeht“, erzählt die rudernde Rennradfahrerin zufrieden nach der Veranstaltung.

Alle weiteren Informationen finden sich unter www.klimmzugcontest.de. Und auch die nächste Klimmzugveranstaltung steht bereits an, denn am 20. Januar wird der gleiche Wettbewerb auch beim Osnabrücker Ruderverein ausgetragen. Denn die Idee des Klimmziehens im Wettbewerb wächst weiter. Brunon Derkes, Mitglied des Olympiaachters von 1980 und seit seiner Studienzeit Angare, hat die Idee nach Osnabrück transportiert und organisiert dort seit 8 Jahren die Tochter-Veranstaltung, den beliebten „Power Challenge“. Infos unter www.orv.de

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