Ergomanie beim RRC – es hagelte Bestzeiten

Je mehr man sich dem Winter nähert, desto bedrohlich näher rückt auch das landgebundene Folterinstrument der Ruderszene, das Ergometer Concept 2. Auf dieser weltweit bekannten wie hochwertigen Rudermaschine, die in jedem Fitness-Studio steht, bereiten sich auch die „echten“ Ruder-Cracks in der dunklen Jahreszeit vor. Während es draußen bereits oder noch dunkel ist, stürmt, friert oder schneit, können die Kadersportler morgens und abends ihre Trainingseinheiten bis zu 20 km oder 120 min auf der Maschine abspulen, ohne sich zu erkälten oder mit der Angst ins kalte Wasser fallen zu müssen. Logisch, dass zum Wettkampftraining auch Ergometer-Regatten bundesweit ausgetragen werden, damit die Aktiven ihren Wettkampfgeist schulen und die Bundestrainer ein Auge auf den Fitnesszustand ihrer Schützlinge haben können.
So waren jetzt auch drei Ratzeburger Delegierte bei der inoffiziellen Norddeutschen Meisterschaft in Hamburg-Wilhelmsburg zugegen, um ihre Physis und vor allem die Psyche zu überprüfen. Star auf der Bühne im hanseatische Bürgerhaus Wilhelmsburg war natürlich der Ratzeburger Mehrfach-Weltmeister Marco Geisler. Im Rahmen seiner Vorbereitung hatte Bundescoach Lothar Trawiel aus der Ruderakademie den bärenstarken Nationalskuller zum Wettkampf nach Hamburg geschickt, anstatt den 31jährigen BGS-Beamten alleine in den Tiefen der Akademie zu testen. Und nicht überraschend für alle Laien und Experten fuhr der grandiose Geisler alles in Grund und Boden und wuchtete mit 5:46 min über 2000 Meter eine Zeit auf den Concept2, die wohl noch einige Jahre in Hamburgs Rekordbestand zu finden sein dürfte. Der Eurosport-Moderator und Wettkampfsprecher Sebastian Franke hatte dem Publikum und den restlichen Teilnehmern aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eben Hamburg damit einen echten Leckerbissen anzubieten. Der Zweimetergroße Vierer-Spezialist vom „Club“ an der Dr. Alfred-Block-Allee unterbot sogar die Ergo-WM-Qualifikationszeit von 5:50 min für die Welttitelkämpfe in Boston im Februar. „Mein Hauptziel ist allerdings die richtige Ruder-WM im nächsten Jahr in Eton/GB und nicht Boston. Dafür, dass ich aus beruflichen Gründen jedoch erst später ins Training einsteigen konnte, kann man bei der Zeit nicht meckern. Die liegt nämlich in meinem Bestzeit-Bereich, da wir mit der Nationalmannschaft bisher immer 6-Minuten-Tests gefahren sind und dann über 2000 Meter nur eine Durchgangszeit hatten“ berichtet Marco Geisler im Gespräch mit den LN. Und letztendlich fehlten auch nur schlappe sieben Sekunden zum Wahnsinns-Weltrekord von Matthias Siejkowski, der übrigens 2001 auch schon einmal für den Ratzeburger RC im Achter gestartet ist und seine aktive Karriere mittlerweile beendet hat.
Etwas im Schatten des großen Geisler, aber nicht weniger stark für ihr Alter, zeigten sich auch drei Aktive aus dem Sportinternat der Ruderakademie am Ratzeburger See. Der 18jährige Hannes Heppner trumpfe in seinem ersten Senior-B-Jahr mächtig auf und belegte in seiner persönlichen Bestzeit von 6:01 min den ersten Platz der U23-Klasse sowie den insgesamt zweiten Platz hinter seinem Vereins- und Trainingskameraden Marco Geisler. „Da kann ich nicht meckern, das Rennen ist einfach gut gelaufen und ich habe auch einige U23-WM-Ruderer hinter mir lassen können. Direkt nach dem Rennen ist man zwar so fertig, dass man nie wieder drauf steigen will, aber wenn das schmerzende Laktat erst mal ein bisschen wieder abgebaut ist, dann lockt der Rollsitz doch wieder“ erzählt Heppner, der die magische 6-Minuten-Marke nur knapp verfehlte. Und auch Heppners Zweierpartner Arne Lange brauchte sich keineswegs verstecken. Der ebenfalls 18jährige RRCler knackte ebenfalls seine Bestzeit und steigerte sich auf sehr ordentliche 6:10,5 min über 2000 Meter. „Auch ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich wollte es mal ein bisschen ruhiger angehen lassen und nicht so vom Start weg losballern wie in Lübeck letztes Jahr. Da bin ich dann ganz kurz und schmerzvoll nach der Hälfte eingegangen und konnte meine Zielzeit nicht erfüllen. Dieses Jahr ist alles viel besser gelaufen und vielleicht kann ich mich zum Frühjahr noch steigern“ erzählt Schüler Arne Lange nach seinem Rennen in Hamburg. Last but not least stellte sich Internatsschüler Christian Vennemann aus dem Sportinternat der Männer-B-Konkurrenz und fuhr mit 6:16,7 min persönliche Bestzeit und einen soliden neunten Rang heraus. Wer als Leser die Zeiten nicht richtig einzusortieren vermag, kann sich spaßeshalber im nächsten Ruderclub oder Fitness-Studio einmal selbst auf 2000 Meter testen und schauen, ob er auch nur annähernd in den Bereich der RRC-Cracks kommt.

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