Inoffizielle Kleinboot-Ausscheidung Ratzeburg

Zwei Wochen vor der Großen Internationalen Ruder-Regatta auf dem Ratzeburger Küchensee hat Bundestrainer Lothar Trawiel aus der Ruderakademie seine Kader-Athleten noch einmal einer weiteren Leistungsüberprüfung unterzogen. Bei schwierigsten Windbedingungen mussten sich alle WM-Aspiranten aus der deutschen Nationalmannschaft noch einmal im Einer beweisen, um die Leistungskonstanz der Deutschen Kleinbootmeisterschaften vor vier Wochen in Köln zu bestätigen, bevor es in die Großboote geht.
Über 2000 Meter musste der WM-Sechste vom letzten Jahr, Jörg Lehnigk, nun seinen Bronze-Rang von Köln bestätigen und konnte sich sogar noch weiter auf seiner Hausstrecke verbessern. Bei seinem stürmischen Ritt auf den Küchensee-Wellen führte der 25jährige RRC-Skuller sogar lange Zeit in „seinem Wohnzimmer“, wo er den Rennsport von der Pike auf erlernt hat. Mit Schlagzahl 35/Minute trieb Sportstudent Lehnigk seinen weißen Filippi-Skiff im A-Finale von Farchau Richtung Ziel Höhe Kastanienallee vor dem „Seehof“. Am Ende war es dann jedoch einmal mehr der 34jährige Mainzer Ingo Euler, der seine ganze Routine und Überlegenheit im nationalen Bereich ausspielte und Jörg im Endspurt abfing. Direkt dahinter kam Lehnigk dann als zweitschnellstes DRV-Leichtgewicht über die Ziellinie und scheint den Stilwechsel vom Riemen-Zweier im letzten Jahr in den Skull-Einer gut verkraftet zu haben. Damit bleibt der siegreiche Doppelzweier mit dem Berliner Manuel Brehmer, 4. Platz in Ratzeburg, bestehen und wird auch auf dem zweiten World Cup in München gegen die Internationale Konkurrenz antreten. „Wir fahren jetzt erst einmal ins Trainingslager nach Österreich und lassen den ersten World Cup in der englischen Schulstadt Eton aus, damit wir direkt aus dem Training beim zweiten World Cup in München-Oberschleißheim zuschlagen können. Dort werden wir dann unser Gewicht von 70 kg haben und als „leichte“ starten. Beim World Cup-Finale in Luzern/Schweiz hingegen probieren wir es mal in der schweren Konkurrenz, um nicht über Monate hinweg den Substanzverlust durch das ständige Abnehmen zu haben. In Richtung Japan können wir dann völlig entspannt und langsam gesund das Gewicht auf unser großes Ziel WM-Medaille reduzieren“ erzählt Jörg Lehnigk zufrieden seine nächsten Pläne. „Im Prinzip haben sich alle Athleten sehr gut geschlagen bei den widrigen Bedingungen. Eine WM oder ein Olympia-Finale wird ja auch nicht wegen Wind abgesagt und zeigt sich, wer seinen Skiff wirklich beherrscht und wer bei schwierigen Bedingungen nicht so gut zurecht kommt. Im Endeffekt planen wir zur Zeit jedoch mit allen Ratzeburgern für die Nationalmannschaftsboote Zweier und Vierer“ kommentiert Bundestrainer Lothar Trawiel die Resultate seines Kaders. Das zweite RRC-Ruder-As Nils Budde verkaufte sich bei der internen Ausscheidung ein wenig unter Wert und kam über den vierten Rang im B-Finale nicht hinaus. Damit schlägt der 24jährige Student vom St.Georgsberg nun eine neue Zielrichtung ein und wird zunächst ein Doppelvierer-Projekt in Richtung WM in Gifu/Japan ausprobieren. Der einzige Unterschied zwischen dem Zweier und dem Vierer ist, dass der Doppelzweier eine olympische Bootsklasse ist und im olympischen Rennprogramm ausgefahren wird, was eine bessere finanzielle Unterstützung der Verbände nach sich zieht. Der Doppelvierer hingegen wird ausschließlich auf Weltmeisterschaften ausgefahren, stellt jedoch die Übergangsbootsklasse und Sprungbrett in den olympischen Zweier dar.
Auch in der offenen Konkurrenz bei den „schweren“ Männern wurde natürlich eine neue Rangliste ausgefahren, doch Olympiateilnehmer Marco Geisler war nach einer kleinen Verletzung noch nicht wieder fit und musste als Lokalmatador passen. Doch als gestandener mehrfacher Weltmeister und dreifacher Olympia-Teilnehmer gilt der 31jährige BGS-Beamte Geisler für das Großboot Doppelvierer als gesetzt und hatte die entsprechende Leistung ja auch schon in Köln geboten. „Jetzt im Trainingslager haben wir den ersten Mannschaftslehrgang, wo sich die Athleten mal völlig von Beruf und Studium lösen können und den Kopf frei bekommen. So können die Mannschaften zusammenfinden und- wachsen. Dort werden wir dann zwei Wochen intensiv arbeiten und direkt in München eine erste Hausnummer abliefern. Doch das Hauptaugenmerk und die gesamte Trainingssteuerung sind ausschließlich auf das WM-Finale von Japan ausgerichtet und dann wollen wir die schnellste Mannschaft sein“ erklärt Trainer Trawiel die Marschrichtung im nacholympischen Jahr.

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