Interview Marco Geisler, Weltmeister 2003 in Mailand im Doppelvierer und 5.Platz bei den Olympische

Der 2,01m baumlange Ruderhüne ist seit 1991 im internationalen Hochleistungsrudern aktiv und errang damals bereits seine erste Goldmedaille mit dem Junioren-Weltmeistertitel. Mittlerweile geht der 102 kg gewaltige Kraftausdauersportler in seine 15. internationale Wettkampfsaison und hat dabei mehrfache Titel und Medaillen jeglicher Couleur für seine Sammlung errudert. Neben den U23-Weltmeistertiteln startet der stets ruhig und ausgeglichen wirkende Geisler seit 1997 im Großboot Doppelvierer für den Deutschen Ruderverband. Auf Weltmeistermeisterschaften ist der erst kürzlich 31 Jahre alt gewordene gebürtige Cottbusser seit 1999 Titelträger und ungeschlagen. Nur bei der Operation Olympia hakte es bisher immer. Nach der Bronze-Medaille von Sydney im Jahre 2000, verpassten die Goldfavoriten in Athen mit Rang fünf deutlich das Siegertreppchen. Im Gespräch mit den LN erzählt der Sportler des Jahres 2004 in Schleswig-Holstein, wie er seine Zukunft sportlich, beruflich und privat plant

LN: Herr Geisler, gut 5 Monate nach den olympischen Finals von Athen fragen sich Deutschlands Ruderfans, ob sie ebenso wie ihre Mannschaftskollegen Andre Wilms und Stephan Volkert die Skulls mit 31 Jahren an den Nagel hängen oder weiter im deutschen Spitzensport aktiv bleiben wollen.

Geisler: Ja, die Überlegungen aufzuhören waren unmittelbar nach Athen sicherlich vorhanden, aber dann kamen eben doch die Ideale wieder zu Tage, weswegen ich den Rudersport überhaupt betreibe. Und da kann ich nach so einem Rennen wie im Finale in Schinias nicht einfach so von der Ruderbühne abtreten.

LN: Also, steht das Ziel Goldmedaille und Peking 2008 doch wieder in Ihrer Reichweite?

Geisler: Nein, so weit möchte ich jetzt auch nicht gehen. Ich beende zunächst einmal meine Ausbildung zum Polizeimeister im Bundesgrenzschutz in Cottbus und werde dann für die laufende Saison und die WM in Gifu/Japan wieder voll angreifen. Und je nachdem wie es sportlich für mich läuft entscheide ich von Jahr zu Jahr, ob ich weitermache.

LN: Können Sie denn jetzt mit etwas zeitlichem Abstand erklären, warum Sie als ganz klarer Mitfavorit um die Goldmedaille und amtierender Weltmeister den Sprung aufs Treppchen in Athen verpasst haben?

Geisler: Tja, so richtig wissen wir es immer noch nicht. Wir haben eigentlich alles richtig gemacht und waren in Vorläufen und Halbfinale auch sehr gut drauf. Nur im Finale war es dann wohl eine Kopfsache in der Mannschaft und das Rennen von Anfang an sehr zäh. Und wir vier waren eigentlich locker stark genug um in dem Rennen ganz vorne mitzufahren.

LN: Haben Sie denn jetzt gar nicht mehr trainiert, sondern sich nur ihrer Ausbildung gewidmet, um die Enttäuschung von Olympia ein wenig zu verarbeiten?

Geisler: Nein, selbstverständlich habe ich auch neben meiner Ausbildung in Cottbus im Einer auf der Spree trainiert. Dort sind ja schließlich meine ruderischen Wurzeln gelegen und in Cottbus habe ich ja auch mit dem Rudern begonnen. Und ich trainiere schon jeden Tag, nur nicht zweimal, wie in der professionellen Vorbereitung letztes Jahr. Am Wochenende fahre ich ja immer die knapp 1000 km nach Ratzeburg und zurück und trainiere bei Lothar Trawiel im Bundesleistungszentrum.

LN: Nur wegen des Ruderns jedes Wochenende 1000 Kilometer mit dem Auto?

Geisler: Nein, natürlich auch wegen der Liebe. Denn meine Verlobte Carmen Schwalbe wohnt zufällig auch in Ratzeburg und da ergänzt sich das ganz gut.

LN: Nach der beruflichen Weiterentwicklung, dem Beibehalten des sportlichen Status Quo, soll es da auch privat noch Entwicklungen geben?

Geisler: Ja, geschickt gefragt, nachdem wir uns im letzten Jahr im Trainingslager in Kaprun verlobt haben, wollen wir in diesem Jahr in Ratzeburg heiraten.

LN: Und wann sehen wir Sie das erste Mal wieder im gewohnten Rennboot?

Geisler: Im Training bin ich ja schon den ganzen Winter auf dem Wasser, aber der erste Wettkampf wird die Langstrecke in Leipzig im Frühjahr sein, die eine erste Standortbestimmung, vor dem Frühtest und der Mannschaftsbootbildung darstellt.

LN: Sie sitzen ja nun schon seit 1997 im Mittelschiff, dem sogenannten Maschinenraum, des deutschen Doppelvierers, waren mehrfach Weltmeister, reizt da nicht auch mal eine andere Bootsklasse?

Geisler: Ja sicherlich, je kleiner die Bootsklasse desto interessanter wird es bestimmt. Doch dafür muss ich natürlich auch dementsprechend viel Rudern und top drauf sein. Das ergibt sich aber erst alles im Laufe der Saison nach dem Frühtest über 2000 Meter Ende April.

LN: Wie läuft die weitere Vorbereitung bis dahin?

Geisler: Nach Abschluss meiner Ausbildung fahren wir mit der Nationalmannschaft im März für zwei Wochen nach Sibenek/Kroatien ins Trainingslager und kommen dann direkt vor der 6-Kilometer-Langstrecke Leipzig und dem 500-Meter-Sprint in Halle zurück nach Deutschland. Und bis März werde ich mich weiterhin im Kleinboot, sprich Einer, oder auf dem Ruderergometer fit machen und halten. Denn jeder Kilometer bringt es auf dem Weg zur Medaille.

LN: Wie stehen sie diese Doppelbelastung von Beruf und Hochleistungssport eigentlich über Jahre hinweg durch, wo jeder Normalbürger bei zusammenbrechen würde?

Geisler: Ich werde als Bundesbeamter vom BGS für viele Trainingsmaßnahmen freigestellt und kann das Trainingspensum meiner Partner fast annähernd mitgehen, so dass mir da keine Nachteile entstehen und ich durch meinen Arbeitgeber professionell unterstützt werde. Ebenso wie beispielsweise die erfolgreiche Biathletin Uschi Disl oder die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein, die ebenfalls im Dienst des Bundes für WM-Medaillen trainieren können.

LN: Vielen Dank für dieses Gespräch Herr Geisler und Viel Erfolg in der laufenden Saison

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