Deutsche Kleinboot-Meisterschaften Brandenburg

Gleich zu Beginn der Saison ging es für die Leistungsträger des Ratzeburger Ruderclubs um die wichtigen Meisterschafts-Medaillen. Das bedeutete auf den Punkt topfit zu sein und im Kleinboot Einer oder Zweier gegen die besten Ruderer Deutschlands zu bestehen.
Als größter Hoffnungsträger hatte sich der 26jährige Jörg Lehnigk im Vorfeld erwiesen. Nach seinem Sieg in Leipzig Anfang April reiste der Leichtgewichtsskuller mit breiter Brust zu den 2. DKM nach Brandenburg. Auf dem Großen Beetzsee kämpfte die deutsche Ruderelite über drei Tage verbissen um das wertvolle Edelmetall und auch der sympathische Sportstudent von der Bäk verteidigte erwartungsgemäß seine Favoritenstellung auf der 2000-Meter-Distanz. Einzig sein Doppelzweierpartner Manuel Brehmer (Berlin), mit dem Lehnigk 2005 auf der WM in Gifu/Japan den sechsten Platz belegte, machte ihm einen Strich durch die goldene Rechnung. „Ich bin gut vom Start weggekommen und bis 1000 Meter waren wir auch noch dicht zusammen. Auf den letzten 500 Metern im Endspurt hatte Manu dann jedoch den längeren Atem und hat mir die Goldmedaille vor der Nase weggeschnappt. Da kann ich nur froh sein, dass er mit mir zusammen dieses Jahr im Doppelzweier starten will“ erzählt der frischgebackene Deutsche Vizemeister und Silbermedaillengewinner Jörg Lehnigk nach den Rennen von Brandenburg.
Und dass die beiden Nationalruderer im Doppelzweier sehr stark sind, zeigten sie in einem anschließenden inoffiziell angesetzten Rennen der Bundestrainer, wo sie die Nachwuchskonkurrenz locker auf die Plätze verwiesen.
Etwas zäher erwies sich die zermürbende Zwei-Kilometer-Strecke für RRC- Kollegen und Trainingspartner Nils Budde. Der Sportmanagement-Student, der diese Saison erst spät das Training aufgenommen hatte ruderte sich ins nicht zufrieden stellende C-Finale, was der 24jährige dann jedoch deutlich gewann. „Ich bin mit meinen Leistungen nicht ganz zufrieden. Es war zwar klar, dass mit meinem Trainingsrückstand das A-Finale weit weg sein würde, aber nach meinen Vorleistungen ist mein Anspruch ganz klar das B-Finale um die Plätze 7 bis 12 gewesen. Mir fehlte einfach die notwendige Kraft, weshalb ich mit fast 37 Schlägen pro Minute über die Strecke gehen musste. Auf die Dauer hilft da halt nur Power und nicht Drehzahl. Aber das werde ich jetzt im Training forcieren und versuchen mit einem deutschen Viererprojekt im Mai in Duisburg an den Start zu gehen“ kommentierte ein kritischer aber motivierter Nils Budde seine Einer-Performance.
Auch das Aushängeschild Marco Geisler musste Federn lassen im Brandenburgischen. Mit seiner gewohnten Dominanz kämpfte sich der Weltmeister von 2003 durch Vorlauf und ein schwieriges Halbfinale bis ins A-Finale und belegte in Abwesenheit von Einerfavorit Marcel Hacker einen soliden sechsten Rang. „Das Erreichen des A-Finales war zwar wichtig, aber ehrlich gesagt, hätte ich mir etwas mehr versprochen. Nicht, dass ich mich für den absolut schnellsten Einerfahrer halte, aber ich kann mein Leistungsvermögen eigentlich ganz gut einschätzen und hatte schon auf einen Medaillenplatz geschielt. Mir fehlte nach dem zehrenden Halbfinale am Sonntag dann doch die Kraft und ich bin nicht in den explosiven Rennrhythmus gekommen, den ich zum Mitmischen gebraucht hätte. Am Ende sind die anderen Jungs mir dann doch weggesprungen. Aber Schwamm drüber, jetzt geht es erstmal zum Messboot rudern diese Woche und dann werden die ersten Zweier und der Vierer zusammengestellt, die schließlich auf der Internationalen Wedau-Regatta in Duisburg getestet werden sollen“ fasst Marco Geisler seinen ersten Ruder-Wettkampf der Saison 2006 zusammen.
Ordentliche Vorstellungen boten auch die Nachwuchs-Ruderer aus der Inselstadt Ratzeburg in ihrer ersten Saison bei den Senioren. Arne Lange kam auf Platz 24 ins rettende Ziel vor seinen Trainingskameraden Christian Vennemann (Team Nord-West/Platz 26) aus dem Sportinternat der Ruderakademie und Hannes Heppner (RRC/Platz 28).
Auch die Damen der rudernden Zunft präsentierten sich in ansprechender Verfassung. Melanie Hansen belegte im Skiff der Frauen-Konkurrenz den 12. Platz und Ramona Lüdemann musste nach einem viel versprechenden Vorlauf aus gesundheitlichen Gründen abmelden, ließ jedoch schon viel Potential für die kommenden Rennen erkennen.
Als Südkreis-Vertreter von der RG Geesthacht war der 20jährige Daniel Holert der einzige Kämpfer im Riemenbereich. Das Zweimetergroße Rudertalent, dass im Rahmen der Sportförderkompanie im Bundesstützpunkt Dortmund unter dem ehemaligen RRC-Coach und jetzigem B-Bundestrainer Thomas Affeldt trainiert belegte im Zweier-ohne-Steuermann den 15. Platz in der deutschen Rangliste und darf sich nach Abzug der Athleten für den Deutschland-Achter sowie die beiden Vierer berechtigte Hoffnungen auf eine Berücksichtigung für den B-Achter machen. In diesem saß Daniel Holert bereits 2005, als er bei der U23-WM in Amsterdam mit Rang vier ganz knapp am Siegertreppchen vorbei schrammte. Und wenn sich das Rudertalent aus Geesthacht mit seinem neuen Partner Maximilian Bandel(Saarbrücken) erst einmal richtig eingerudert hat, dann sollte das Duo ein ernsthaftes Wörtchen im U23-Bereich mitzureden haben.
Summa summarum war die Deutsche Kleinbootmeisterschaft ein erster Fingerzeig der Aktiven nach dem Wintertraining untereinander und an die Bundestrainer, aber noch keine endgültige Entscheidung für Besetzung der Nationalboote. Nach Auswertung der physiologischen Vorleistungen wie Ergometer-Tests, Langstrecken-Resultaten und eben dieser ersten 2000-Meter-Regatta werden die jeweils zuständigen Bundesbootstrainer in Verbindung mit den Kraft-Verlaufskurven aus der Messbootanalyse die ersten Mannschaftsboote zusammenstellen, wobei alle Leistungsträger aus dem lauenburgischen hierbei gute Aussichten haben sollten.

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