Achter feiert Silber, Florian Mennigen Bronze, Jörg Lehnigk 8.

Ratzeburger steigt für die EM jetzt in den Achter um – Leichtgewicht Lehnigk bucht Olympia-Ticket

MÜNCHEN – Bis in den frühen Morgen dauerte die Nacht in Lederhosen, feierte der Deutschland-Achter im bajuwarischen Trachtenlook in der Münchner Diskothek Pascha. „Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold erloren. Das Getöse auf der Tribüne hat uns Flügel verliehen“, freute sich Sebastian Schulte und meinte damit die frenetische Unterstützung der 12 000 Fans. Mit einem beherzten Schlussspurt hatte der Achter mit einer dreiviertel Bootslänge Rückstand zu Kanada so Platz zwei gerettet. Der Traumvom Rollsitz im Paradeboot des Deutschen Ruder- Verbandes (DRV) erfüllte sich für Florian Mennigen zwar nicht, dafür aber der von einer Medaille. Mit dem gesteuerten Vierer, dem nicht-olympischen Ersatzboot für den Achter, holte der Ratzeburger Bronze hinter der USA und Serbien. „Wir hatten nach dem guten Bahnverteilungsrennen, als wir nur zwei Zehntel hinter den USA lagen, eigentlich Gold im Visier. Aber so, wie es gelaufen ist, können wir zufrieden sein. Immerhin ist es ja meine erste Medaille, bei meiner ersten WM“, freute sich der 25-jährige Wirtschaftspsychologie- Student, der sich in drei Wochen gemeinsam mit Stephan Koltzk (Essen) und Philipp Naruhn (Bollberg) noch einmal kräftig in die Riemen legen will. Das Trio steigt vom Vierer in den Achter um, rudert dann im polnischen Posen um Gold bei der erstenEMseit 30 Jahren. Grund zum Feiern hatte auch Jörg Lehnigk. Der Ratzeburger ruderte mit Manuel Brehmer (Berlin) im leichten Doppelzweier im B-Finale auf Rang zwei und schaffte so die Olympia- Qualifikation für 2008. „Das gilt aber nur für die Nation, durchsetzen müssen wir uns im eigenen Land dafür noch“, erklärte der 27-Jährige, der daran allerdings keine Zweifel lässt: „Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, schaffen wir das.“ Mit dem WM-Abschneiden war er zufrieden: „Unser achter Platz ist mehr wert als der sechste im Vorjahr. Denn wir sind näher an dieWeltspitze herangerückt. Bronze ist nur noch eine Sekunde weg. In unserer Klasse sind bis auf die Dänen zwölf Boote gleichauf.“ Das Gesamtfazit: Erstmals seit Einführung derWMim Jahr 1962 blieben die deutschen Ruderer ohne Gold.Amzweiten Finaltag komplettierten das Silber des Frauen-Doppelvierers umdie viermalige Olympiasiegerin Kathrin Boron und die dritten Ränge des leichten Doppelzweiers mit der gebürtigen Lübeckerin Marie-Louise Dräger sowie des Männer-Doppelvierers die Medaillenbilanz (-/3/2) in den 14 olympischen Klassen. Dass der DRV das Heimspiel so nur bedingt als Imagekampagne nutzen konnte, dafür machte Sportdirektor Michael Müller „taktisches Fehlverhalten“ in einigen Bootsklassen und die berufliche Situation der Sportler verantwortlich. Aber: „Bis März werden jetzt die Medaillen für Peking gemacht. Die Athleten müssen dafür zwei Urlaubssemester nehmen. Kompromisse lassen wir nicht zu.“ jek

Bild: Freuen sich über WM-Bronze: Der Ratzeburger Florian Mennigen (o.v.l.), Stephan Koltzk, Steuermann Martin Sauer, Philipp Naruhn und Matthias Flach. Foto: DPA/HFR

Kurz notiert: Rudern: Die WM 2011 wurde an Bled (Slowenien) vergeben. Neu: Der Vierer mit Steuermann wurde gestrichen.

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